Franken, das Dorf

FrankenFranken ist der südlichste und der einwohnermäßig kleinste Ortsbezirk von Sinzig im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Er liegt abseits des Stadtbereichs auf den Randhöhen der Eifel im Quellgebiet des Frankenbaches, oberhalb von Schloss Ahrenthal.

Höhe: 200 m ü. NN.
Einwohner: 483 (Stand 31.12.2015)

Franken in der Geschichte

Das Dorf Franken ist vermutlich eine fränkische Siedlung aus der Merowingerzeit. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes mit seiner Kirche erfolgte am 31. März 1131, als Papst Innozenz II. dem Bonner Cassius-Stift den Besitz der Kirche in Franken bestätigt: Frankin, ecclesiam cum decimis – „Franken, Kirche mit dem Zehnten“. Insgesamt sind in dieser Urkunde 30 Kirchen aufgeführt.
Im Jahr 1147 ging der Besitz eines Erbguts an Maria Laach, 1285 an das Kloster Steinfeld. 1295 verpfändete der deutsche König Adolf von Nassau eine Hälfte des formal zum Reichsgut gehörenden Sinzigs, zu dem auch Franken gehörte, an den Grafen von Jülich. Der folgende König Albrecht übertrug diese Hälfte wiederum an den Kölner Erzbischof Wigbold. 1348 bestätigte König Karl IV. die Pfändung der Hälfte von Sinzig und Franken an Markgraf Wilhelm von Jülich; Franken ging in diesem Zusammenhang als Unterlehen an den Ritter Heinrich von Sinzig (1336–1361), 1374 an Rolmann von Ahrenthal. 1376 wurde die Herrschaft von Herzog Wilhelm von Jülich an den Markgrafen Grafen Wilhelm von Berg übertragen.

1428 belehnte der Trierer Erzbischof Otto den Salentin von Ahrenthal, einen Nachkommen der Rollmanns, auf Grundlage des Teilungsvertrages von 1388 mit großen Teilen der Frankener Herrschaft. Vier Generationen blieben die Familie Wiltberg die Lehnsherren des anderen Teiles von Ahrenthal und Franken.
Der letzte Wiltberg, Adolph von Wiltberg (* 1553) starb kinderlos am 1. Juli 1621. Über eine Nebenlinie gelangte das Haus Hillesheim an die Herrschaft über Ahrenthal und Franken. Am 28. Januar 1641 wurde Wilhelm von Hillesheim durch Herzog Wolfgang Wilhelm von Jülich mit dem Haus Ahrenthal und dem dazugehörenden Dorf Franken belehnt. Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte das Dorf Franken zur Herrschaft Ahrenthal.

Während der gesamten Reformationszeit blieb Franken katholisch. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) hatten die Einwohner unter Einquartierungen, Plünderungen und Epidemien zu leiden, die sich im darauffolgenden Pfälzischen (1688-1697) und Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) fortsetzten. Den nächsten großen Einschnitt bildete der Beginn der Revolutionskriege. Im Jahr 1792 besetzten französische Truppen das linke Rheinufer, das im Jahr 1801 im Frieden von Lunéville an Frankreich fiel. Von nun an wurde die Region nach den neuen politischen Grundsätzen regiert, die im Mutterland der Revolution Einzug gehalten hatten. Die alten Herrschaftsverhältnisse lösten sich auf. Erst mit dem Sturz Napoleons und der der darauffolgenden Neuordnung Europas kam auch Franken wieder zu Deutschland, genauer gesagt unter preußische Verwaltung. Die neue Regierung sorgte für stabile politische Verhältnisse.
Nach 1794 und der Besetzung des linksrheinischen Deutschlands durch französische Revolutionstruppen wurde das Dorf Franken der Mairie Sinzig im Kanton Remagen zugeschlagen. Es wurden erstmals verlässliche Gemeinderegister erstellt. So sind für 1799 213 Einwohner, für 1809 312 Einwohner nachgewiesen. Mit 9 Pferden und 294 Stück Hornvieh wurde ein relativ großer Viehbestand gezählt.

Bis 1840 wuchs die Bevölkerungszahl auf 476 Bewohner an, die in 78 Häusern wohnten. Die Bevölkerung war rein katholisch. In der preußischen Zeit wurde Franken eine eigenständige Gemeinde und gehörte ab 1816 zur Bürgermeisterei Niederbreisig, die zum Kreis Mayen und ab 1818 zum Kreis Ahrweiler gehörte. Auffällig ist jedoch der Bevölkerungsrückgang, der die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts prägte und mit der Industrialisierung und der Auswanderung nach Amerika in Verbindung gebracht wird. 1895 war die Einwohnerzahl auf 324 Personen gesunken.
Bedeutend war Franken zu dieser Zeit für seinen Obstbau. Um 1800 werden 8000 Apfel- und Birnbäume in der Gemarkung gezählt. Im Jahre 1913 waren noch 4327 Obstbäume angepflanzt.

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) hatten die Menschen hier wie überall unter Arbeitskräftemangel und Nahrungsmittelknappheit zu leiden. Die Zwanziger Jahre waren mit Inflation, französischer Besatzung und der gescheiterten Ausrufung einer „Rheinischen Republik“ eine politisch und wirtschaftlich schwierige Zeit am Mittelrhein. Trotzdem erhielten die Nationalsozialisten bei den Reichstagswahlen der frühen Dreißiger Jahre in Franken nur relativ wenige Stimmen.

Zum 15. März 1925 sank die Bevölkerungszahl auf nur noch 273 Bürger. Im Vergleich zu anderen Landstrichen konnte ein „bedenklicher Rückstand der Produktivität“, insbesondere im Bereich des Ackerbaus, erkannt werden. Politisch erhielt die Nationalsozialistische Partei bei allen folgenden Wahlen eine klare Abfuhr. Durch Zwangsmitgliedschaften begann allerdings eine allgemeine Gleichschaltung und nationalsozialistische Gleichmacherei. Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) fielen insgesamt 13 Bürger, neun weitere blieben vermisst.

Die Gesamteinwohnerzahl betrug nach dem Zweiten Weltkrieg unter französischer Besatzung (1946) 303 Personen.

Am 7. Juni 1969 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde mit 373 Einwohnern in die Stadt Sinzig eingemeindet.

Quellen

  • Jürgen Haffke und Bernhard Koll (Hgg.): Sinzig und seine Stadtteile – gestern und heute. Sinzig 1983
  • Hermann Bauer: Die Päpstliche Bulle von 1131 für das Bonner Cassiusstift, in Heimatjahrbuch 1980 Landkreis Ahrweiler
  • Freistadt: Franken im Spiegel der Zeiten
  • Freistedt a.a.O.S.493
  • Rheinischer Antiquarius, Mittelrhein, III. Abt., 9. Bd., Koblenz 1862, S.47
  • Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Ahrweiler
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Rheinland-Pfalz, Saarland. Deutscher Kunstverlag München
  • PDF-Dokument zur Geschichte der Grafenfamilien von Hillesheim und von Spee, mit Angaben zu dem Bauprojekt in Franken
  • Geschichtliche Informationen zu Franken bei regionalgeschichte.net
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