Politik auf den Spuren des Bäckerhandwerks

Ortsvorsteher überzeugten sich beim Frische Bäcker Frank Schmickler von Clean Label Produktion

Sinzig. Was auf dem Feuerwehrfest in Franken im Juni als Anregung entstanden war, wurde kürzlich in die Tat umgesetzt: Die Ortsvorsteher Michael Kappl (Löhndorf) und Helga Schmitt-Federkeil (Franken) erhielten für einen Nachmittag in der Bäckerei Frank Schmickler einen Crash-Kurs im traditionellen Bäckerhandwerk. Auf dem Lehrplan stand die Herstellung des Eifeler Brotes.

Politik auf den Spuren
Helga Schmitt-Federkeil und Michael Kappl beweisen unter Anleitung von Frank Schmickler ihr handwerkliches Geschick beim Kneten des Eifeler Brotteigs.

Traditionelles Backen bedeutet bei Frank Schmickler, dass ausschließlich natürliche Zutaten (Clean Label) zur Herstellung von Brot, Brötchen und Backwaren verwendet werden. Der Umstellung vor rund einem Jahr gingen monatelange Trainings und Test voraus, die durch den TV-bekannten Bäcker-Coach Markus Messmer begleitet wurden. Zwar bedeutete die Umstellung zunächst Investitionen in neue Geräte und Manpower – alleine die Beratung durch den Coach schlug mit 10.000 Euro zu Buche – jedoch hat sich nach Schmicklers Rechnung der Aufwand gelohnt, und das nicht nur, weil das Projekt mit 50 % der Beraterkosten durch das Wirtschaftsministerium des Landes gefördert wurde: „Mit dem Verzicht auf Fertigprodukte können wir in erheblichem Maße Materialkosten einsparen, so dass wir trotz des gestiegenen Arbeitsaufwandes unsere Preise für die Kunden stabil halten und zudem hochwertigere Produkte anbieten können.“

Poiltik auf den Spuren
Frank Schmickler erklärt die wichtigsten Details, die bei der Teigherstellung zu beachten sind. Fotos: Johann Kappl

Für die beiden „Lehrlinge“ Kappl und Schmitt-Federkeil standen nicht alleine mehrere Stunden handwerkliche Arbeit auf dem Programm, sondern auch reichlich Theorie-Unterricht. Neben der Kenntnis der Grundzutaten Mehl, Hefe, Sauerteig, Wasser und Salz für das beliebte Eifeler Brot erlernten sie das Geheimnis um das Mehlkochstück, das quasi wie ein natürliches Binde- und Konservierungsmittel funktioniert: Mehl und Wasser werden aufgekocht, im daraus entstehenden Kochstück bindet die Mehlstärke ein Vielfaches seines Eigengewichtes an Wasser, das nach und nach an das Brot zurück gegeben wird und dadurch im Ergebnis zu einer fluffigeren Krume und einer längeren Frischhaltung führt.

Nach erfolgreicher Herstellung der Teiglinge hatten die beiden Ortsvorsteher Gelegenheit, die weiteren Produktionsstellen der Backstube zu begutachten. Sie überzeugten sich von den traditionellen Herstellungsverfahren weiterer Backwaren. Beeindruckt zeigte man sich u.a. davon, dass selbst der Vanillezucker für die Puddingfüllungen aus den Schoten gewonnen und im aufwendigen Prozess hergestellt wird.
Wenngleich Frank Schmickler einige wenige Produkte, die sich in vertretbarem Aufwand nicht auf natürliche Weise herstellen lassen, aus seinem Angebot genommen hat, fühlt er sich durch die Resonanz seiner Kunden vollends bestätigt, dass sich die Umstellung auf Clean Label gelohnt hat.

Politik auf den Spuren
Das Ergebnis der Bäckerlehrstunden konnte sich sehen lassen.

Das Ergebnis des Crash-Kurses konnte sich sehen und schmecken lassen. Bei einer ersten Verkostung vor Ort fiel das fachmännische Urteil des Bäcker-Meisters ordentlich aus: „Form und Aussehen ausbaufähig, Kruste knusprig, Krume fluffig und meistens geschlossen.“

Frank Schmickler, der neben seinem Produktionsbetrieb in Sinzig weitere Filialen in Bad Bodendorf, Löhndorf und Franken betreibt, plant für das kommende Jahr, seine Backstube auf Anfrage auch für interessierte Bürgerinnen und Bürger zu derartigen Veranstaltungen zu öffnen, so dass die Erkenntnisse der beiden Ortsvorsteher nicht lange exklusiv bleiben werden.

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